L'histoire / die Geschichte

Postkarte aus dem Jahr 1923

Postkarte (Datum unbekannt)

Die Ruine mit dem Nebenhaus


Die Geschichte des vieux Châteaus de Champlemy

Die Geschichte des Châteaus de Champlemy wird hier in einer verkürzten Version erzählt. Der genaue Ablauf der Besitzenden und ihrer Angehörigen sind im nachfolgenden Stammbaum vollständig dargestellt. Mit dem Schloss wurden immer alle Felder rund um Champlemy und das Dorf selbst weitergegeben, auch wenn im Text nur vom Schloss die Rede ist.

 

Die Geschichte des Châteaus de Champlemy beginnt im Jahr 1364, als Marguerite de Fontenay mit dem Bau des ersten Gebäudes begann, von dem viele Teile noch heute erhalten sind. Was in den nächsten 40 Jahren geschah, ist unbekannt. Denn erst im Jahr 1402 ging der Besitz des Schlosses durch die Heirat von Philiberte de Champlemy mit Bureau de la Rivière in die Familie de la Rivière über.

 

Die Familie de la Rivière war zu dieser Zeit eine grosse und wohlhabende Adelsfamilie. Nach Bureau de la Rivière befand sich das Schloss Champlemy fast 200 Jahre lang in Familienbesitz. Einige Nachfahren waren sogar Oberhofmeister oder Kammerherrn der damaligen französischen Könige. Das Familienwappen «schwarz mit silbernem Band» ist noch heute an der Westfassade der Ruine zu erkennen. (Bild)

 

Der letzte der Familie war Edmé de la Rivière, der 1624 nach einem Streit von seinem Cousin François ermordet wurde. Da er weder Frau noch Kinder hatte, ging das Schloss in den Besitz der Gemeinde Champlemy über. Die hoch verschuldete Gemeinde verkaufte das Anwesen im Jahr 1657 schliesslich an Anne de la Guiche.

 

Während dieser Zeit war der «Sonnenkönig» Ludwig XIV. im Jahr 1643 zum König aufgestiegen. Unter seiner absolutistischen Herrschaft mussten die Adligen keine Steuern zahlen und herrschten gleichzeitig über alle Menschen rund um ihre Schlösser.

 

Anne de la Guiche war mit Henri de Schomberg, Marschall von Frankreich und Graf von Nanteuil le Haudoin, verheiratet. Die Schombergs waren eine Familie des Hochadels und sehr einflussreich. Ihre Tochter Jeanne Armande de Schomberg erbte das Schloss 1722 und vermachte es anschliessend wiederum ihrer Tochter Carlotte Armande de Rohan. Diese heiratete Pons de Pons, Graf von Roquefort, wodurch das Château de Champlemy in den Besitz der Familie de Pons überging.

 

In dieser Zeit veränderte die Französische Revolution (1789) das Leben des französischen Adels grundlegend. Die Adelsfamilien hatten keinen Einfluss mehr auf Bauern und Bürgertum und verloren dadurch ein bedeutendes Einkommen. Die Schlösser und Ländereien blieben aber im Besitz der Adeligen.

 

Nach vier Generationen der Familie de Pons brachte Emeric Guy Laurent de Durfort Civrac durch seine Heirat im Jahr 1823 das Schloss in seinen Besitz. Emeric liess in Champlemy die grosse Markthalle für die Einwohnenden errichten, welche noch heute steht. 

 

Seine Tochter wiederum heiratete Prinz Georges Victor de Croÿ, einen belgischen Prinzen. Die Familie de Croÿ war eine bedeutende Adelsfamilie Belgiens und das Château de Champlemy befand sich rund 100 Jahre lang in ihrem Besitz. Der Familienname wird «kroui» ausgesprochen.

 

Die erste Tochter, Marie Éléonore Georgine Louise de Croÿ, lebte bis 1952 allein im Schloss, da ihr Mann früh verstarb und die Töchter nach Belgien zurückkehrten. Doch das Gebäude war zu gross für eine Person und sie zog in das Nachbarhaus – in dem wir heute wohnen – und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1962. Da sie in Frankreich keine Erben mehr hatte, vermachte sie das Schloss ihrem Neffen Eduard Louis Georges Marie David, Comte de Bruce. Dieser wiederum vererbte das Château de Champlemy seinem Sohn Charles Edouard, Comte de Bruce (1933-2017). Charles Edouard war der letzte Adelige, dem das Schloss gehörte. Die meisten Felder um Champlemy hat seine Tochter Carlotta de Bruce (die heute in Paris lebt) den Bauern nach und nach verkauft. Das Schloss und das umliegende Grundstück verkaufte Charles Edouard an Nicole Simone Cartray Pattilaud. Sie wohnte mit ihrem Ehemann Gui Robert Camille Patillaud im Nachbarhaus und lebte dort auch nach seinem Tod allein weiter.

 

Als Nicole Patillaud sich nicht mehr um das Haus kümmern konnte, verkaufte sie es 1990 an Frédéric Gasser, der es 1997 an die «Société Civile Immobilière du Château Fleuri» (SCI) verkaufte und selbst Mitglied wurde. Der Name «Château Fleuri» tauchte in der Geschichte des Schlosses nie auf. Es war Albert Struchen, eines der ersten Mitglieder der SCI, der diesen Namen erfand, da in der Ruine viele Sträucher und Bäume wuchsen.

 

Im Jahr 2018 tauschte die SCI die Ruine mit der Gemeinde Champlemy gegen eine gleich grosse Wiesenfläche. Die SCI besitzt weiterhin das Nachbarhaus und das restliche Grundstück. Heute kümmert sich die «Association pour la Sauvegarde du Vieux Château de Champlemy» (ASVCC) um die Ruine und deren Erhaltung.

 

 

Quellen :

  • Recherche von Monsieur Jean-Claude Orville und von Lara Scheuner
  • Zur Verfügung gestellte Dokumente der Société civile immobilière du Château Fleuri
  • Literatur und Internetrecherche zu wichtigen historischen Ereignissen in Frankreich

Une version française est en travaille.